Intelligenz und IQ sind nicht angeboren sie liegen nicht in den Genen. Immer wieder behaupten Forscher das Gegenteil. Nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen wissen wir aber: Gene haben kaum einen Effekt, es kommt vielmehr auf das Umfeld und die Förderung an.

 

Oft macht ein einziges Wort einen gewaltigen Unterschied aus. Carol Dweck ist Professorin für Psychologie an der Stanford University. Frau Dweck ist bekannt für ihre Arbeit zur psychologischen Denkweise an der Columbia Universität und der Harvard Universität, sie ist eine der weltweit führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Lernmotivation. In ihren Schulvorträgen beschreibt sie, was anstatt eines “nicht bestanden” ein “noch nicht bestanden” ausmachen kann. Das kleine Wort “noch” ist hier nämlich der Motor und die Motivation was sich in vielen Studien mit Hunderttausenden Schülern herausgestellt hat.

Die Überzeugung, dass im Prinzip jeder zu guten Schulleistungen in der Lage ist, dass Intelligenz nichts Angeborenes, sondern durch bestimmte Lernerfahrungen entsteht. Das ist der entscheidende Punkt für den Lernerfolg und lässt sich sehr einfach durch bessere Lernstrategien, mehr Fleiß und besseren Unterricht erreichen.

Viele Wissenschaftler bestehen jedoch darauf, dass das Meiste angeboren ist und Lehrer nur Einfluss auf 10 % haben. 50 – 70 % sein vererbt und Eltern sollen akzeptieren, dass nicht alle Kinder schlau sein können. Für viele ist dieses Denken auch bequem. Denn das heißt wir müssen uns nicht anstrengen, weil wir ja eh nicht viel ändern können.

Dieses Denken ist jedoch hochgradig verkehrt und hat eine fatale Auswirkung auf die Kinder.

Ganz nach dem Placebo Effekt lassen sich Kinder nach einer negativen Lernerfahrung hängen und glauben, dass sie es einfach nicht besser können. Eltern, denen dies suggeriert, wird  geben sich damit ab und tragen zusätzlich zum Teufelskreis bei. So wird das geglaubte Realität und es ist unglaublich schwer dem Kind wieder Selbstvertrauen zu vermitteln. 

Schaut man jedoch genauer auf diese Studien, wird klar, dass Gene in Wirklichkeit fast keine Rolle spielen.

Diese Studien behandeln gar nicht die Auswirkung, ob gewisse Gene die Intelligenz erhöhen oder verringern. Es wird lediglich ermittelt, wie stark der IQ innerhalb einer Gruppe vom Mittelwert streut, unabhängig wo dieser liegt. Man nimmt an, dass die Unterschiede genetisch bedingt sind, je unterschiedlicher die Gene, desto größer der Unterschied. Indem Sie diese Gruppen vergleichen versuchen die Forscher darauf zu schließen welchen Einfluss die Gene an dieser Streuung haben, zum Beispiel bei gemeinsam aufgewachsenen Zwillingen.

Ist der IQ Unterschied bei Eineigen geringer als bei Zweieigen, wird darauf geschlossen, dass  die Gene schuld sind, da die Umwelt ja gleich war.

Liegt der Unterschied zum Beispiel bei 25% wird daraus geschlossen, dass 50% genetisch bedingt sind. Weil sich zweieiige Zwillinge bekanntlich die Hälfte ihrer Gene teilen wird abgeschätzt, dass der Effekt durch die Gene doppelt so hoch ist. Die Behauptung basiert also lediglich auf einer Streuung von IQ Werten innerhalb von Gruppen. Darauf jedoch auf einen Einfluss von Genen auf die Intelligenz von Einzelpersonen oder Gruppen zu schließen ist nicht möglich. Dies ist aber genau das, was Lehrer, Eltern und Bildungsforscher interessiert. Aus diesem Grund ist die Behauptung, Lehrer könnten bei Kindern lediglich 10% ihres Lernerfolgs ausmachen, ein Fehlinterpretation.

Ein starkes Argument für die Annahme, dass Intelligenz nicht angeboren ist, liefert der Flyn-Effekt.

Benannt nach dem neuseeländische Politologen James R. Flynn.  Dieser stellte 1984 fest, dass sich der durchschnittliche IQ zwischen den Jahren 1909 und 2013 um mehr als 29 Punkte erhöhte. So eine grundlegende Veränderung der menschlichen Gene ist in einer so kurzen Zeitspanne jedoch vollkommen unmöglich. Dieser unglaubliche Anstieg lässt sich auf Faktoren aus der Umwelt wie eine bessere Ernährung und Bildung zurückschließen.

Wenn man jetzt genauer hinsieht, welchen Einfluss Gene überhaupt auf den IQ haben, kommt man zu dem Fazit, dass der Effekt sehr klein ist.

Man kann das mit einem Computer vergleichen. Seine Leistungsfähigkeit hängt von der Qualität seiner Hardware und der darauf installierten Software ab. Überprägt man dieses Bild auf den Menschen, stellt die Hardware die Speicherkapazität des Gehirns dar und die Software die Lernstrategien und Wissenseinhalte. Genau wie beim Computer kommen IQ bezogene Handlungen  also das Denken und Lösen vom Problemen aus der Umwelt bzw. der Software.

Weil die beste Hardware ohne gute Software nicht leistungsfähig ist, hängt der Einfluss der Gene von der Umwelt und der Bereitstellung einer guten Software ab.

Man könnte jetzt meinen, dass die beste Software durch die Hardware begrenzt ist. Dem ist aber nicht so, das Gehirnpotential eines Kindes nimmt im Alter ab. Zuerst entstehen möglichst viele Verknüpfungen im Gehirn und wenn sie sich an die Umwelt anpassen, nehmen diese ab. Somit können Gene die Entwicklung des IQ nur wenig beeinflussen. Viele Studien bestätigen diesem Umstand.

Zwar existieren Gene, die einen Einfluss auf den IQ haben könnten, dieser ist jedoch verschwindend gering. Wenn man alle Geneinflüsse zusammennimmt, liegt der Einfluss auf die Intelligenz bei nur bis zu 4 %.

Zurück zu dem “noch” vom Anfang. Ihren Kindern zu sagen sie hätten “noch nicht bestanden” ist nicht nur pädagogisch sinnvoll, sondern auch biologisch.

Dadurch, dass das Kind glaubt, es könnte bestehen, wird ganz nach dem bereits erwähnten Placebo Effekt diese Annahme zur Realität.

Tut man dies nicht, kann es einen Teufelskreis beim Kind, bei den Eltern und bei den Lehrern hervorrufen. Hat sich das Kind erstmal den Ruf als dumm erarbeitet, wird es unglaublich schwer bis unmöglich diesen wieder loswerden. Kinder, Eltern und Lehrer  finden sich damit ab, die Förderung nimmt ab und es kommt zur selbst erfüllenden Prophezeiung. Das allerschlimmste dabei ist, dass sich die Intelligenz dadurch auch tatsächlich verringert.

Deswegen gilt: Glauben sie an ihre Kinder, nehmen Sie sich Zeit mit ihnen zu lernen, seien Sie geduldig und liebevoll und üben Sie nie übermäßig Druck aus.

Es geht darum herauszufinden, wo ihre wahren Interessen und größten Stärken liegen, was ihnen am meisten Spaß bereitet. Hat man dies gefunden, werden die Kinder mit Freude Zeit investieren. So werden auch die Grundsteine für das spätere Berufsleben gelegt, in dem das Kind seine größten Stärken zum Beruf macht.

Einen wundervollen Vortrag von Carol Dweck zum Thema: “Glaube an die eigene Lernfähigkeit” sehen Sie, wenn sie auf den unteren Link drücken.

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